„Die kleinen Wunder von Mayfair“ von Robert Dinsdale

Wer noch ein besonders Buch für Weihnachten sucht……………….  

Robert Dinsdale hat mit diesem Roman eine kleine Buchperle geschaffen. Man muss sich auf dieses Buch und seiner Magie einlassen können, vom Buch-Cover nicht verleiten lassen, aber vor allem sollte man Spielzeugsoldaten mögen !!!

„Der Zauberstab ist mir gegeben.
Ich muss ihn nur zu gebrauchen wissen.“  (Leo Tolstoi)

Literaturwerkstatt- kreativ / Blog“ stellt vor:

Die kleinen Wunder von Mayfair“ von Robert Dinsdale

London  –  Mayfair 1906 – 1953

Aushilfe gesucht“

Fühlen Sie sich verloren ? Ängstlich? Sind Sie im Herzen ein Kind geblieben ? Dann sind Sie bei uns richtig. Das Emporium öffnet beim ersten Frost die Tore. Keine Erfahrung erforderlich Kost und Logis inbegriffen“

Das Leben der fünfzehnjährigen Catherine Wray, genannt Cathy ist aus den Fugen geraten. Sie ist ungewollt schwanger und ihre Eltern verlangen von ihr, dass sie das Kind in einem Heim für unverheiratete Frauen zur Welt bringt und es dann zur Adoption frei gibt. Danach darf sie auch wieder nach Hause kommen. Doch Cathy möchte ihr Kind behalten und zufällig fällt ihr eine Zeitungsannonce in die Hände. Der Londoner – im Stadtteil Mayfair gelegene – sagenumwobene Spielzeugladen „Papa Jacks Emporium“ sucht eine Aushilfe. Cathy stellt sich dort vor und bekommt die Anstellung. Der Spielzeugladen ist ein Ort des Staunens, der Wunder und der Magie. Der Laden scheint viel größer als er eigentlich ist und er ist voll von magischem Spielzeug. Cathy trifft auf Holzsoldaten, Patchwork-Hunde, gigantische Papierbäume, einem Spielzeughaus, Vögel aus Pfeifenreinigern und vielen, vielen magischem Spielzeug mehr. Aber sie lernt auch die beiden Söhne – Kaspar und Emil – von Papa Jack alias Jekab Godmann kennen. Cathy verliebt sich in Kaspar und die beiden werden ein Paar. Aber auch Emil hat ein Auge auf Cathy geworfen.

Cathy bleibt bei Kaspar und wohnt fortan mit ihm im Emporium, nachdem sie ihre Tochter bekam. Die ganze Zeit über befinden sich die beiden Brüder in einem ständigen Wettstreit, wer wohl der bessere Spielzeugerfinder sei. Dabei scheint es Emil wohl an der nötigen Magie zu fehlen, obwohl er derjenige ist, der die wunderschönen Spielzeugsoldaten für das Emporium geschaffen hat. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs zieht Kaspar in den Krieg und nach seiner Rückkehr ist er ein Anderer. Der Krieg ist zwar zu Ende, nicht jedoch der Kampf zwischen Kaspar und Emil. Die beiden Bruder bekämpfen sich aufs Schärfste, dabei verliert das Emporium aber leider nach und nach seine zauberhafte Magie.

 

Die kleinen Wunder.. II (Kopie)

 

Fazit:

Robert Dinsdale hat mit seinem Roman mit Sicherheit ein sehr außergewöhnliches Werk vorgelegt. Er nimmt uns mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Einmal ins alte London zu „Papa Jacks Emporium“; dort tauchen wir ein in die Welt der Spielzeuge und ihrer zauberhaften Magie. Er entführt uns aber auch zurück in die eigene Kindheit – zumindest ist es ihm bei mir geglückt – und zu den Spielsachen, die einem damals die eigene Kindheit versüßt haben. Der Autor verfügt über einen sehr kraftvollen und bildhaften Erzählstil und so fühlte ich mich mitten im „Emporium“ mit seinen verwinkelten Gassen und dem Spielzeughaus, in dem Cathy ihre Tochter zur Welt brachte. Sehr passend und schön auch die Idee, jedes Jahr mit dem ersten Frost das „Emporium“ zu eröffnen und mit den ersten Schneeglöckchen wieder zu schließen.

Ja, – und dies sind wirklich wunderschöne Passagen in diesem Buches – passend dazu das anmutige Cover und der sehr ansprechende Klappentext – und genau davon habe ich mich verführen und betören lassen. Genial erdacht von Dinsdale, denn wie eigentlich jeder weiß, gibt es im Leben nicht nur Magie und Zauberei, irgendwann kommen natürlich auch Schicksalsschläge, mal kleinere, mal schwerwiegendere, und genau diese begegnen uns auch in diesem Buch.

Krieg in Europa, Krieg zwischen den beiden Brüdern (!) Auch als der erste Weltkrieg schon längst zu Ende ist, geht der Kampf zwischen Kapar und seinem jüngerem Bruder Emil weiter. Sie loten ihre Machtkämpfe über die Spielzeugsoldaten aus und diese spielen fortan eine entscheidende Rolle. Sie werden zum roten Faden und mit zu den Hauptakteuren des Buches. Und hier beginnt auch mein persönliches Dilemma. Spielzeugsoldaten können mich leider überhaupt nicht in ihren Bann ziehen, schon als Kind mochte ich sie nicht. Ich habe mich auch wirklich bemüht und versucht ihnen sozusagen eine Chance zu geben, aber es ist nur phasenweise gelungen und so habe ich mich auch durch manche Passagen eher durchkämpfen müssen. Der Autor hat seine philosophische Intention, gerade aber durch die Spielzeugsoldaten deutlich gemacht und so dem Buch auch einen roten Faden verliehen, welcher zum Ende hin alles wieder zusammenführt. Absolut gut gemacht und mit einer Auflösung zum Schluss, wie ich sie so überhaupt nicht erwartet hätte.

Seine Protagonisten hat der Autor mit ihren sehr unterschiedlichen Charaktereigenschaften sehr gut dargestellt. Cathy, ihre Tochter und auch Kaspar sind mir durch ihre sehr liebenswürdige und hilfsbereite Art sehr Nahe gewesen. Allerdings konnte ich mit Papa Jack und Emil absolut nicht warm werden. Papa Jack, der einerseits mit der Erschaffung seines magischen Spielzeugs viele Menschen verzaubert und über eine starke Aura und herzgewinnende Charaktereingenschafen verfügt, andererseits als Vater jedoch bei den Machtkämpfen seiner Söhne nur zusah und deren Auseinandersetzungen keinen Einhalt gebot, obwohl er dazu in der Lage gewesen wäre. Und dann Emil mit seinem grenzenlosen Hass gegen seinen Bruder, – beide Figuren fand ich doch sehr befremdlich. Emil noch mehr als Papa Jack. Aber das – so denke ich – ist auch genau so vom Autor gewollt, denn Gegenpole bieten natürlich genug Stoff und Reiz für Romane. Ohne diese Gegensätze wäre hier ansonsten kaum Spannung vorhanden, denn immer nur Magie und Zauberei wäre irgendwann auch ein wenig fahl gewesen.

Robert Dinsdale hat mit diesem Roman eine kleine Buchperle geschaffen. Man muss sich auf dieses Buch und seiner Magie einlassen können, vom Buch-Cover nicht verleiten lassen, aber vor allem sollte man Spielzeugsoldaten mögen !!!

 

 

Autor:

978-3-426-22672-8_Druck

Besten Dank an den Knauer Verlag für das Rezensionsexemplar.

Robert Dinsdale, Jahrgang 1981, wuchs in North Yorkshire auf. Er lebt mit seiner Tochter in Essex und arbeitet als Literaturagent. Wenn er sie nicht gerade zur Schule fährt, geht er am Meer spazieren, arbeitet am Computer oder besucht die örtliche Bibliothek (das kann er sehr empfehlen!). »Die kleinen Wunder von Mayfair« ist sein dritter Roman.

 

Details:

Knauer Verlag HC  (https://www.droemer-knaur.de/buch/9595139/die-kleinen-wunder-von-mayfair)  01.10.2018 / 464 Seiten / 20,00 Euro / ISBN: 978-3-426-22672-8

gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen /

Originaltitel: „The Toymakers“  / aus dem Englischen von Simone Jakob