„Happy End“ von Amélie Nothomb

Mit diesem „märchenhaften“ Buch wünsche ich Euch ein schönes Wochenende !!!

„Das wunderbarste Märchen ist das Leben selbst.“    Hans Christian Andersen

„Literaturwerkstatt- kreativ / Blog“ stellt vor:

Happy End“ von Amélie Nothomb

Frankreich – Paris

Es geht einmal um Déodat, Sohn von Énide und Honorat. Déodats Aussehen ist von solch absoluter Hässlichkeit, das er bei denen die ihn zu Gesicht bekommen erst einmal Entsetzen hervorruft. Allerdings hat er einen überdurchschnittlichen IQ und ist ein kleines Genie. Aufgrund seiner Hässlichkeit hat er es in der Schule natürlich nicht leicht. Da er jedoch schon früh um seine Hässlichkeit weiß, ist es ihm egal dass sein Mitschüler ihn meiden. Er wird zum Einzelgänger und entwickelt eine Vorliebe für Vögel. In einsamen Stunden fängt er an Diese zu beobachten. Später studiert er an der Sorbonne Biologie und wird Ornithologe.

Anders Trémière, Tochter von Rose und Lierre. Da beide Elternteile arbeiten und keine Zeit für ihre Tochter haben, wächst diese bei ihrer Großmutter Passerose auf. Rose ist von einer außergewöhnlichen Schönheit und erregt bei allen gleich schieres Erstaunen. Aber so schön Rose auch ist, umso weniger Intelligenz besitzt sie. Auch sie hat daher während der Schulzeit keine Freunde und wird zur Einzelgängerin. Durch ihre Großmutter entwickelt sie ein Vorliebe für Juwelen und wird später Hand- und Halsmodel für Edelsteine.

Durch Zufall lernen die beiden, Déodat und Trémière, sich bei einer Talkshow kennen.

 
happy end ii (kopie)

 

Fazit:

Amélie Nothomb hat mit „Happy End“‘ eine Parallele zu Charles Perraults Märchen „Riquet mit der Locke“ geschaffen. Sie bringt das alte Märchen quasi in eine moderne Fassung. Intelligenz oder Schönheit, womit kommt man besser durchs Leben; Diese These steht im Raum. Die Autorin macht in ihrem Buch anhand der beiden Protagonisten sehr deutlich, dass man es erheblich schwerer hat, wenn man mit irgend einer Eigenschaft, oder einem Merkmal besonders hervorsticht. Zuviel Intelligenz, zu viel Hässlichkeit, zu viel Schönheit, zu viel Dummheit – wird von Anderen nicht gerne gesehen. Déodat und Trémière werden quasi von der Gesellschaft zu Außenseitern gemacht. Werden aber dadurch – durch ihre Position als Einzelgänger – zu stillen Beobachtern dieser Gesellschaft. Sie können vom Rand aus beobachten und erhalten so einen viel schärferen Blick – nicht nur schwarz und weiß – sondern einen der viele Facetten hat. Die Beiden erkennen meist den „wahren“ Menschen, weil sie den Blick hinter die Fassade wagen. Die Autorin hat sich an ein Thema gewagt, das immer aktuell ist und sein wird. Schönheit und Intelligenz eine Auseinandersetzung, und letztendlich auch ein kleiner philosophischer Diskurs.

Amélie Nothomb hat allerdings einen Erzählstil, der auch polarisiert. Immer am Rande von Klischee und starken Übertreibungen, Humor bis hin zum Sarkasmus und in ihre Erzählweise absolut direkt. Es gibt keine Umschreibungen von Dingen, es wird alles gleich auf den Punkt gebracht. Mir liegt diese Art des Erzählens und ich mag auch das fast schon stakkatoartige einsetzten ihrer Sätze. Kurz und Knapp, aber mit viel Würze. Ihr gelingt es hervorragend, das Humorvolle und Skurrile mit einer Ernsthaftigkeit zu verbinden, dass man als Leser sozusagen zum Nachdenken gezwungen wird. Ein anspruchsvolles Buch, welches trotzdem bestens unterhält.

„Happy End“ ist ein sehr kurzweiliges Buch, welches man gut in einem Rutsch durchlesen kann. Mir hat die moderne Märchenfassung von Amélie Nothomb sehr gut gefallen. Es war mein erstes Buch von ihr, aber bestimmt nicht mein Letztes.

 

 

Autorin:

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Besten Dank an den „Diogenes Verlag“ für das Rezensionsexemplar.

Amélie Nothomb, geboren 1967 in Kobe, Japan, hat ihre Kindheit und Jugend als Tochter eines belgischen Diplomaten hauptsächlich in Fernost verbracht. Seit ihrer Jugend schreibt sie wie besessen. Ihre Romane erscheinen in 39 Sprachen. Für ›Mit Staunen und Zittern‹ erhielt sie den Grand Prix de l’Académie française. Amélie Nothomb lebt in Paris und Brüssel.

 

Details:

Diogenes Verlag (01.10.2018) (https://www.diogenes.ch/leser/titel/amelie-nothomb/happy-end-9783257070422.html) / 192 Seiten / 20,00 Euro / ISBN:978-3-257-07042-2

Hardcover Leinen mit Schutzumschlag / aus dem Französischen von Brigitte Große