„Stella“ von Takis Würger

Noch ein kleines Betthupferl  !!!

Da ich „Der Club“ von Takis Würger nicht gelesen habe war ich ganz gespannt auf „Stella“ und was der Autor mit seinem Buch auf jeden Fall „geschafft„ hat ist, eine Literaturdiskussion par excellence auszulösen und das ist letztendlich immerhin auch eine Bereicherung für die Literaturszene!!!

Feder und Papier entzünden mehr Feuer als alle Streichhölzer der Welt.“ Malcolm Stevenson Forbes

Literaturwerkstatt- kreativ / Blog“ stellt vor

Stellavon Takis Würger

Friedrich, ein empfindsamer und nicht sehr selbstbewusster junger Mann, wächst am Genfer See in der Schweiz auf. Sein Vater leitet in dritter Generation einen Konzern und ist berufsbedingt oft auf Reisen. Friedrichs Mutter ist eine sehr kühle, distanzierte und alkoholkranke Frau. Der größte Wunsch von Friedrichs Mutter ist, dass ihr Sohn Maler wird.

Nach der Trennung seiner Eltern will Friedrich nach Berlin. Er hat von der Judenverfolgung in Deutschland gehört und will herausfinden, was von dem Gehörten wahr ist. Seinen Eltern gibt er als Begründung an, dass er in Berlin Kunstunterricht nehmen will.

In einer Kunstschule im Scheunenviertel lernt er dann Kristin kennen. Die beiden freunden sich an und Kristin nimmt Friedrich mit in geheime Jazzclubs. Sie trinken Kognak und hier bekommt er seinen ersten Kuss. Eines Morgens klopft Kristin an seine Zimmertür im Hotel. Sie ist verletzt und hat Striemen im Gesicht. „Ich habe dir nicht die Wahrheit gesagt.“ Ich bin Jüdin und Kristin ist nicht mein richtiger Name.

„Sie schaute mich an. “Ich bin Stella. Stella Goldschlag“

Die Gestapo hat Stellas Eltern inhaftiert und wenn sie diese lebend wiedersehen will, muss sie untergetauchte Juden finden und denunzieren.

 

Bücher 021 (Kopie)

 

Fazit:

Da ich den „Der Club“ von Takis Würger nicht gelesen habe war ich ganz gespannt auf „Stella“. Vor allem, weil mittlerweile eine Literatur-Debatte um dieses Buch ausgebrochen ist, die den Hype um dieses Buch noch befeuert.

Normalerweise bin ich schon eine Freundin von stakkatoartigen Formulierungen, da, wo es hinpasst. Bei diesem Buch gefällt es mir ganz und gar nicht, weil ich so auf absoluter Distanz zu den Personen und auch zum Geschehen bleibe. Ich lese das Buch wie einen abgefassten Bericht oder eine Reportage. Durch diesen Stil löst es bei mir keine großen Emotionen aus. Da gibt es andere Schriftsteller, die mich wirklich emotional betroffener gemacht haben! Gerade bei solch einem emotionalen Thema hätte ich mir doch mehr Tiefgang gewünscht.

Somit ist das Buch für mich auch nicht auf hohem sprachlichen Niveau. Vielleicht vom Autor auch so gewollt. Durch diesen getakteten Erzählstil bleiben die Personen oberflächlich und bekommen einen fast schon stereotypen Charakter; man lernt sie nicht wirklich kennen.
Für mich sind die Protagonisten nicht richtig ausgearbeitet, vor allem Stella nicht. Der Autor erzählt die Geschichte aus der Sicht Friedrichs und so bleibt „Stella“ immer ein Stück weit im Hintergrund, bleibt blass und substanzlos. Takis Würger geht meiner Ansicht nach hier auch zu nachlässig mit den historischen Quellen um. Fast hat man den Eindruck, er ist diesem „Unfassbaren“, aufgrund seines noch jungen Alters, nicht ganz gewachsen. Er vermischt Fiktion und Realität, was natürlich bei einem Roman durchaus möglich und richtig ist, aber doch bitte mit ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl. Zumindest bei solch einem heiklen Thema hätte mehr „Real-Biografisches“ von Stella Goldschlag dazugehört. Es fehlt mir da einfach ihre eigentliche reale Lebensgeschichte, um sie als Person in diesem schwierigen Kontext auch richtig einordnen zu können. Denn letzten Endes ist sie ja nicht nur Opfer, sondern auch Täterin. Da seht für mich tatsächlich die Frage im Raum, in wieweit der Autor mehr Fürsorge realer Personen gegenüber hätte walten lassen sollen.

Gut gefallen haben mir die geschichtlichen Einführungen vor den jeweiligen Kapiteln, auch die eingefügten Prozessakten waren informativ und haben auf das eigentlich schwere Thema hingewiesen.

Ich würde sagen, Takis Würger hat sich Mühe gegeben. Aber, für mich ist der Roman nichts Halbes und nichts Ganzes. Kein richtiger Liebesroman, sprachlich nicht überzeugend oder gar ansprechend. Keine – wenigstens einigermaßen – klare biografische Vorstellung von Stella Goldschlag. Das wichtige Thema der „Greifer“ und ihren Denunziationen bleiben leider sehr oberflächlich. Hinzu kommt, an vielen Stellen ist der Roman doch sehr Klischeehaft.

Was Takis Würger aber auf jeden Fall „geschafft„ hat ist, eine Literaturdiskussion par excellence auszulösen und das ist letztendlich immerhin auch eine Bereicherung für die Literaturszene!!!

 
Autor:

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Besten Dank an den Hanser Verlag für das Rezensionsexemplar.

Takis Würger, geboren 1985, hat an der Henri-Nannen-Journalistenschule das Schreiben gelernt und Ideengeschichte in Cambridge studiert. Er arbeitet als Redakteur für das Nachrichtenmagazin Der Spiegel. 2017 erschien sein Debütroman Der Club, der mit dem Debütpreis der lit.Cologne ausgezeichnet wurde und für den Aspekte-Literaturpreis nominiert war. Takis Würger lebt in Berlin.

 

Details:

Hanser Verlag (11.01.2019) / 224 Seiten / fester Einband / 22,00 Euro

ISBN 978-3-446-25993-5