„Rheinblick“ von Brigitte Glaser

Einen schönen Wochenstart  wünsche ich und lege Euch den „Rheinblick“ von Brigitte Glaser nahe.  Vor allem denen, die im Rheinland zu Hause sind !!!

„Wenn aus Bonn keine Führung zu erwarten ist, muss sie von den Bürgern kommen.“               Helmut Schmidt

Literaturwerkstatt- kreativ / Blog“ stellt vor

Rheinblick“ (Hörbuch) von Brigitte Glaser

Bonn im November 1972:

Die SPD fährt mit Kanzlerkandidat Willy Brandt einen Sensationssieg ein und nun stehen in Bonn die Koalitionsverhandlungen an. Gerade zu diesem wichtigen Zeitpunkt aber versagt Willy Brandt die Stimme und er muss ins Krankenhaus, um sich einer Stimmbandoperation zu unterziehen. Der behandelnde Arzt erteilt ihm absolutes Sprechverbot. Nach der Operation wird er von der Krankenschwester und Logopädin Sonja Engel betreut. Brandt ist gedanklich bei den Koalitionsverhandlungen und erweist sich als ein sehr schwieriger Patient.

Sonja Engel selbst lebt in einer Bonner WG und versucht gerade ihre jüngere Schwester, die von zu Hause ausgerissen ist, ausfindig zu machen. In dieser WG lebt noch der Student Max Dorando, der sich seinen Lebensunterhalt als Taxifahrer verdient und gerade hat sich noch für ein paar Tage die Journalistin Lotti einquartiert. Sie arbeitet für eine kleine Zeitung im Schwarzwald und ist lediglich für eine Reportage nach Bonn gekommen. Lotti stößt nun allerdings auf einen Mordfall an einem jungen Mädchen und dieser lässt ihr keine Ruhe mehr. Sie recherchiert und forscht intensiv weiter und erhält Unterstützung von Max. Dieser bekommt während seiner Taxifahrten durch Bonn so einiges an Gesprächen mit, die eigentlich geheim bleiben sollten.

Alle Wege führen letztlich zu Hilde Kessel, der legendären Wirtin und Besitzerin des „Rheinblicks“. Niemand ist über das Bonner Polittheater besser informiert als sie. Sie kennt die Politiker sämtlicher Partien und natürlich auch ihre Geheimnisse.

Bei ihr treffen sich Hinterbänkler und Minister, Sekretärinnen und Taxifahrer. Als der Koalitionspoker nach der Bundestagswahl härter wird, wird Hilde in das politische Ränkespiel verwickelt.“

 

Rheinblick II (Kopie)

 

Fazit:

Dieser Roman führt uns zurück in die 70er Jahre. 1972 entwickelte sich politisch zu einer Achterbahn der Ereignisse und Emotionen. Der politische Höllenritt begann mit dem gescheiterten Misstrauensvotum der CDU/CSU gegen Willy Brandt am 27.02.1972 und endete mit dem fulminanten Sieg Brandts und der SPD am 19.11.1972. Und hier setzt Brigitte Glasers Roman an. Sie nimmt reale politische und geschichtliche Fakten und webt um diese Fakten eine fiktive Geschichte. Sie entführt uns zu einer wunderbaren – fast schon nostalgische – Zeitreise. Die Autorin hat für ihren Roman gründlich und sorgfältig recherchiert; über Politiker und ihre Machtkämpfe, über ihre Posten in Regierung und Opposition. Alles hervorragend dargestellt. Die Auswirkungen der 68er Generation, das WG.-Leben, das sich wandelnde Frauenbild. Über den Mief und die Spießigkeit jener Jahre und die damit verbundene Aufbruchstimmung, aber auch über den politischen Wandel und jene Stimmung im Lande, hauptsächlich bei jungen Menschen, die besonders viel von Willy Brandt erwarteten.

Brigitte Glaser hat eine ruhige und flüssige, aber vor allem sehr bildhafte Erzählweise, sodass ich mir manche Orte in Bonn gut vorstellen konnte. Frau Glaser hat mit Hilde Kessel eine Protagonistin geschaffen, die einfach grandios ist; hervorragend gesprochen von Tessa Mittelstaedt. Etwa wenn sie diese Hilde Kessel kölschen Dialekt reden lässt ist das einfach jood. – zumindest für mich. Aber auch die anderen Charaktere haben ihre Qualitäten und finden ihren Platz in der Geschichte. Vor allem Lotti hat mir sehr gut gefallen. Eine junge dynamische Frau, die sich in ihrem Beruf alles hart erkämpfen muss, denn der Journalistenberuf ist 1972 doch eher noch eine Männerdomäne.

„Rheinblick“ ist ein interessanter Roman, verbunden mit einer tollen politischen Zeitreise in die 70er Jahre. Tessa Mittelstaedt macht das Hörbuch zu einem wahren Hörgenuss!!!

 

 

Autorin:

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Besten Dank an „Hörbuch Hamburg“ für das Rezensionsexemplar.

Brigitte Glaser lebt seit über 30 Jahren in Köln. Bevor sie zum Schreiben kam, hat die studierte Sozialpädagogin in der Jugendarbeit und im Medienbereich gearbeitet. Heute verfasst sie Bücher für Jugendliche und Krimis für Erwachsene, u. a. ihre erfolgreiche Krimiserie um die Köchin Katharina Schweitzer. Mit Bühlerhöhe gelang ihr der Durchbruch.

http://www.brigitteglaser.de

 

Sprecherin:

Tessa Mittelstaedt war an Theatern in Bochum, Wuppertal und Dresden engagiert. Bekannt wurde sie durch ihre Rollen als Assistentin im Kölner Tatort und als Staatsanwältin in der ARD-Vorabendserie Heiter bis tödlich: Morden im Norden. Sie las bereits Romane von Nora Roberts und Ellen Berg.

 

Details:

Hörbuch Hamburg ( https://www.hoerbuch-hamburg.de/hoerbuecher/glaser-rheinblick-4687) / 22.02.2019 / 20,00 Euro / gekürzte Lesung / ISBN 978-3-95713-158-4

8 CDs, 590 Minuten Laufzeit