„Der Wald“ von Nell Leyshon

Ein Roman, der mit Sicherheit sehr stark polarisiert und mich auf jeden Fall zwiegespalten zurück lässt.

Euch allen wünsche ich schöne sonnige Pfingsten mit vergnüglichen Lesestunden!!!

Literaturwerkstatt- kreativ / Blog“ stellt vor

Der Wald“ (Hörbuch) von Nell Leyshon

Polen im Zweiten Weltkrieg – Warschau

Pawel wächst wohlbehütet mit Mutter, Großmutter und seiner Tante in einem bürgerlichen Warschauer Haushalt auf. Vor dem Krieg hatte die Familie Dienstboten, Köchinnen und um Pawel hat sich ein Kindermädchen gekümmert. Jetzt während des Krieges ist die Familie auf sich alleine gestellt und muss sich um alles selber kümmern, so auch Zofia um ihren Sohn Pawel. Eines Nachts bringt Zofias Mann Karol – der im Untergrund gegen die Nazi`s kämpft – einen verwundeten englischen Piloten mit ins Haus. Das bringt die ganze Familie in Gefahr…

Im Wald

Zofia und Pawel mussten aus Warschau fliehen und verstecken sich in einer Hütte, die verborgen mitten im Wald steht. Versorgt werden sie von einer alten Frau, die dort im Wald lebt, mit Lebensmitteln. Von der alten Frau lernt Pawel das pflanzen von Gemüse, aber sie weckt in ihm auch die Freude an der Malerei.

England – London

viele Jahre später…..

Zofia die nun Sofia genannt wird hat sich von ihrem Mann Karol scheiden lassen und ist mit ihrem Sohn nach dem Krieg nach England immigriert. Pawel heißt nun Paul. Paul hat in England ein Internat besucht und führt das Leben eines freien Künstlers. Viel Kontakt haben Mutter und Sohn nicht mehr miteinander, denn die Geschehnisse der Vergangenheit haben sie ganz unterschiedlich geprägt.

 

Der Wald II (Kopie)

 

Fazit:

Nell Leyshon wurde einem breiten Publikum durch ihren großen Erfolg von “Die Farbe von Milch“ bekannt. Ich hatte lange überlegt, ob ich diesen Roman von ihr lesen sollte, habe mich dann doch für ihr neuestes Werk „Der Wald“ entschieden.

Vorweg muss ich sagen, das Titel und Cover mich in keiner weise angesprochen hat. Wenn die Autorin mir nicht schon bekannt gewesen wäre, hätte ich das Werk wohl auch nicht gelesen. Den Klappentext dagegen fand ich dann doch sehr inspirierend und erhoffte mir eine sehr facettenreiche und interessante Geschichte. Und so waren meine Erwartungen natürlich sehr hoch.

Die Autorin hat einen sehr schönen bildhaften Erzählstil, welcher durch eine sehr eindrucksvolle poetische Sprache bereichert wird. Auch der feine Humor, der an manchen Stellen des Buches immer mal wieder aufflackerte, hat mir gut gefallen. Nell Leyschon versteht ihr Handwerk, nur hat sie sich aus meiner Sicht hier völlig (im Wald) verlaufen. Sie hat so viele verschiedene Themen – 2. Weltkrieg, Familie, Mutter-Sohn-Beziehung, Einsamkeit, Neuanfang in England, Homosexualität – mit in ihren Roman hineingenommen, dass sich mir nicht wirklich erschlossen hat, was die Autorin mir eigentlich sagen will. Die einzelnen Themen wurden alle eben nur angesprochen, jedoch in ihrer Gänze eben nicht bearbeitet und blieben somit oberflächlich.

Mir hat sich etwa nicht wirklich erschlossen, warum die „Mutter-Sohn-Beziehung“ in dieser Geschichte so in den Fokus rückt, denn, Pawel wurde von seiner Mutter im weitesten Sinne emotional vernachlässigt. In den ersten Jahren in Warschau wurde er von einer Zofe betreut, im Wald stand Sofia völlig neben sich und konnte sich nur primär um Pawal kümmern und in England wurde er gleich aufs Internat geschickt. Von daher erschließt sich für mich nicht, warum Pawel so um seine Mutter buhlt. Natürlich wollen Kinder immer ihren Eltern, in diesem Fall der Mutter, gefallen, aber genau dieses emotionale Abhängigkeitsverhältnis, in dem die Beiden sich letztendlich wohl auch befanden, wurde von der Autorin nicht in der Tiefe erläutert. Hier fehlt mir etwas ganz Entscheidens!

Dann noch diese großen Zeitsprünge. Gerade beginnt die Geschichte in Warschau, fängt an interessant und spannend zu werden, da finden wir uns in einer Hütte im Wald wieder. Und eh man es sich versieht, ist man schon in London. Spätestens an der Stelle habe ich mich dann gefragt, wieso heißt der Roman eigentlich “Der Wald“ ? Von den 8 Cd`s haben letztlich knapp 2 im Wald gespielt. Und „Der Wald“ steht aus meiner Sicht auch nicht als Metapher für das Große und Ganze des Romans.

Froh bin ich auf jeden Fall, dass ich mich für das Hörbuch – gekürzte Lesung – entschieden habe. So war es auf jeden Fall nicht ganz so langatmig, wie wenn ich den Roman gelesen hätte. Wahrscheinlich wäre ich in Versuchung gewesen, spätestens in London abbrechen zu müssen.

Laura Maire hat mit ihrer sehr facettenreiche Stimme den Roman gelesen und dies mit sehr viel Engagement. Auch wenn sie nicht unbedingt zu meinen absoluten Lieblingssprecher/Innen gehört, hat sie für diese erbrachte Leistung meinen absoluten Respekt verdient, denn sie hat auf jeden Fall bis zum Schluss alles gegeben und sich in keinster Weise verirrt.

Ich glaube das dies ein Roman ist, der sehr stark polarisiert und sehr viele sehr unterschiedliche Meinungen hervorbringt. „Die Farbe von Milch“ habe ich auf jeden Fall erst einmal von meiner Leseliste gestrichen, – zu Unrecht?  Vielleicht später mal!!!

 

 

Autorin:

Der Wald von Nell Leyshon

Besten Dank an den „Random House Audio Verlag“ für das Rezensionsexemplar.

Nell Leyshons erster Roman Black Dirt stand auf der Longlist des Orange Prize und auf der Shortlist des Commonwealth Prize. Ihre Theaterstücke und Hörspiele erhielten ebenfalls zahlreiche Auszeichnungen. Für ihren zweiten Roman Die Farbe von Milch wurde sie neben James Salter und Zeruya Shalev für den Prix Femina nominiert. Nell Leyshon wurde in Glastonbury geboren und lebt in Dorset.

 

Sprecherin:

Laura Maire, geboren 1979 in München, absolvierte ihre Ausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt. Bekannt wurde sie durch eine Hauptrolle in der ARD-Vorabendserie „Verdammt verliebt“. Sie synchronisierte u. a. Brie Larson in „Raum“ (2016 mit einem Oscar ausgezeichnet) und Ashley Greene (als Alice Cullen) in der „Twilight“-Reihe. Daneben war sie immer wieder in „How I Met Your Mother“ zu hören. Maire erhielt 2011 den Deutschen Hörbuchpreis als Beste Interpretin. 2014 las sie für den Hörverlag den Thriller „Schattengrund“ von Elisabeth Herrmann und erhielt für ihr „virtuoses Sprach-Spiel“ noch einmal den Deutschen Hörbuchpreis als Beste Interpretin.

 

Details:

Random House Audio Verlag (18.03.2019) (https://www.randomhouse.de/Hoerbuch/Der-Wald/Nell-Leyshon/Random-House-Audio/e554877.rhd) / Hörbuch CD (gekürzt), 8 CDs, Laufzeit: ca. 10h 2 min / ISBN: 978-3-8371-4535-9 / 22,00 Euro

aus dem Englischen von Wibke Kuhn

Originaltitel: The Forest / Originalverlag: Eisele Verlag