„Die Leuchtturmwärter“ von Emma Stonex

Eine durchaus interessante und gut geschriebene Geschichte, welche mich persönlich allerdings nicht so ganz in ihren Bann ziehen konnte.

„Wir Schriftsteller haben die einsamste aller Beschäftigungen; die einzige Analogie, die mir einfällt, ist der Leuchtturmwärter. Aber der Vergleich sollte nicht allzu weitgehen:
Wir senden keinen Lichtstrahl aus, der das Individuum oder die Welt davor retten wird, auf den Klippen ein Unglück zu erleiden.“
Nadine Gordimer

Literaturwerkstatt- kreativ / Blog“ stellt vor:

Die Leuchtturmwärter“ (Hörbuch) von Emma Stonex

In der Silvesternacht verschwinden vor der Küste Cornwalls drei Männer spurlos von einem Leuchtturm. Die Tür ist von innen verschlossen. Der zum Abendessen gedeckte Tisch ist unberührt. Die Uhren sind stehengeblieben.“

Zurück bleiben ihre drei Frauen, Helen, Jenny und Michell, aber anstatt sich gegenseitig Trost zu spenden, geht jede ihren eigenen Weg. Allerdings lässt sie der rätselhafte Tod ihrer Männer selbst nach 20 Jahren nicht los. Sie bekommen von der Betreiberfirma des Leuchtturms eine Witwenrente, sind aber im Gegenzug dazu aufgefordert mit keinem über die Geschehnisse zu sprechen. 20 Jahre später will der Schriftsteller Dan Sharp einen Roman über die verschwundenen Leuchtturmwärter und den Leuchtturm „Maiden-Rock“ schreiben und kontaktiert dafür die drei Frauen, um sich deren Version über die verhängnisvolle Nacht erzählen zu lassen.

Als sie zum ersten Mal ihre Seite der Geschichte erzählen, kommt ein Leben voller Entbehrungen zutage – des monatelangen Getrenntseins, des Sehnens und Hoffens. Und je tiefer sie hinabtauchen, desto dichter wird das Geflecht aus Geheimnissen und Lügen, Realität und Einbildung.“

Fazit:

Der Debütroman „Die Leuchtturmwärter“ von Emma Stonex wird von allen Seiten – sei es von der Presse, dem Buchhandel, Leser*innen – hochgelobt. Auch mich hat die Geschichte aufgrund des Klappentextes und dem dazu passenden wunderschönen Cover magisch angezogen.

Fasziniert war die Autorin schon immer von Leuchttürmen, inspiriert zum Schreiben dieser Geschichte wurde sie von einer wahren Begebenheit, dem mysteriösen Verschwinden dreier Leuchtturmwärter auf den Flannan Isles. Leider konnte der Funke der allgemeinen Begeisterung bei mir nur phasenweise überspringen. Die Grundidee der Geschichte, das Verschwinden der Leuchtturmwärter, hat mich erst einmal zu diesem Hörbuch greifen lassen und ich war sehr gespannt und neugierig, welche Geheimnisse sich dahinter verbergen. Die Geschichte an sich ist literarisch gut erzählt und die Schriftstellerin hat einen sehr angenehmen und ruhigen Erzählstil, sehr passend zum Thema ihrer Geschichte.

Die Handlung selbst springt zwischen der Vergangenheit 1972 und der `Gegenwart` 1992 hin und her. Aber auch zwischen den einzelnen Protagonisten, den drei Leuchtturmwärtern Arthur Black, William Walkr, genannt Bill“ und Vincent Bourne, sowie deren Frauen. Durch diese stetigen Wechsel bleibt die Geschichte an sich sehr lebendig, auch wird der Alltag sowohl auf dem Leuchtturm, als auch das der zurückgebliebenen Ehefrauen auf dem Land, sehr intensiv und einprägsam geschildert. Ich hatte sehr deutlich vor Augen wie sich das Leben auf einem Leuchtturm, der Mitten im Meer liegt und von dem man nicht einfach mal so wegkommt und auf den man permanent zu Dritt auf engstem Raum wohnt, gestaltet. Aufgrund der vielen Handlungssprünge muss man schon gut lesen bzw. zuhören um nicht den Faden zu verlieren; zumal viele kleine Details zum Ende der Geschichte wichtig sind. Anfangs konnte mich die Autorin auch recht gut in ihren Roman hineinziehen, dies ließ jedoch mehr und mehr nach und die Geschichte plätscherte für mich so vor sich hin, wurde stellenweise auch ein wenig langatmig. Außerdem war der Schluss der Geschichte für mich nicht überzeugend, schon gar nicht zufriedenstellend. Hier kann ich leider nicht mehr dazu schreiben, da ich sonst zu viel vorweg nehmen würde.

Hinzukommt, das Emma Stonex mir ihre Protagonisten nicht wirklich nahe bringen konnte. Allesamt blieben sie fremd und distanziert, mit keinem/keiner konnte ich wirklich warm werden. Man muss Protagonisten nicht unbedingt mögen, aber sie müssen irgend etwas in einem auslösen, an etwas erinnern, verzaubern, oder auch wütend machen usw., doch das blieb leider aus.

Die beiden Sprecher*in des Hörbuches Tessa Mittelstaedt und Timo Weisschnur haben die jeweiligen Rollen gut und authentisch gesprochen und ihren Teil zum Gelingen des Hörbuches beigetragen. Ihnen ist es auch zu verdanken, dass ich weiter zugehört habe, bei einem Buch hätte ich wahrscheinlich quer gelesen oder abgebrochen.

Auch wenn Emma Stonex mich leider nicht ganz so fesseln und begeistern konnte, ging es ja unzähligen anderen Leser*innen anders und sie haben diesen Roman als gute Geschichte, oft sogar als Lesehighlight empfunden. Da meine Meinung natürlich wie immer subjektiv ist, bitte ich Euch, bildet euch eure eigene Meinung.

Eine durchaus interessante und gut geschriebene Geschichte, welche mich persönlich allerdings nicht so ganz in ihren Bann ziehen konnte.







Autorin:

Besten Dank an den „Argon Verlag“ für das Rezensionsexemplar.

Emma Stonex, 1983 in Northamptonshire in England geboren und aufgewachsen, begann ihre Karriere als Lektorin. Mehrere Jahre arbeitete sie erfolgreich in einem großen Verlagshaus, bevor sie ihrem Traum vom Schreiben folgte. Schon immer fasziniert von Leuchttürmen, inspirierte sie nicht zuletzt das mysteriöse Verschwinden dreier Leuchtturmwärter auf den Flannan Isles zu ihrem Roman. Stonex lebt heute in Bristol.

Sprecherin:

Tessa Mittelstaedt ist Theater- und Filmschauspielerin und wirkte in zahlreichen Fernsehproduktionen mit. Einem breiten Publikum wurde sie durch ihre Rolle im Kölner „Tatort“ bekannt. Als Hörbuchsprecherin begeisterte sie in Lesungen u.a. von Amy Silver und Ellen Berg.

Sprecher:

Timo Weisschnur studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy« in Leipzig. Er spielte von 2014 bis 2020 am Deutschen Theater Berlin und

Übersetzerin:

Eva Kemper, geboren 1972 in Bochum, studierte in Düsseldorf Literaturübersetzen. Neben Junot Díaz‘ ›Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao‹ übersetzte sie aus dem Englischen u. a. Werke von Peter Carey, Louis de Bernières, Tom Rob Smith, Martin Millar und Penny Hancock.

Details:

Argon Verlag (25.08.2021) ( https://www.argon-verlag.de/hoerbuch/stonex-die-leuchtturmwaerter-2006641/ ) / 1 MP3-CD /gekürzte Lesung – 8 Stunden 22 Minuten / 19,95 Euro / ISBN: 978-3-8398-1933-3 / aus dem Englischen von Eva Kemper

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